Einmal im Leben Liebe statt Schmerz - 10. Kapitel

Einmal im Leben Liebe statt Schmerz
10. Kapitel: Paps erinnert sich

Chris' POV

Eine Niesattacke folgte auf die nächste und ich bekam kaum Luft um mich von diesen wilden Zuckungen zu erholen. Solche Attacken bekam ich immer, wenn ich unruhig, gestresst und voller Sorge war – als wenn mein Körper sich für die mangelnde Essens und Trinkenszufuhr rächen wollte.
Wenn ich die letzten Stunden – man konnte ja nicht gerade von dem ganzen letzten Tag sprechen – mal Revue passieren ließ, wurde mir immer mulmiger. Die Freude meine Tochter bei mir zu haben war schnell von der Sorge verzehrt worden und jetzt musste ich mich mit den Nebenwirkungen rumschlagen.
Konnte dieses Mädchen nicht einmal Glück haben?
Scheinbar hatte Gott einen anderen Plan für sie und ich musste mich fragen wo die Gerechtigkeit blieb. Dabei hatte ich gerade was Jannik anging ein gutes Gefühl gehabt. Er war ein anständiger Mann, der Sina aufbauen konnte und niemals hätte ich den Gedanken gewagt, dass diese Beziehung irgendwann einen Knicks bekommen würde. Auch Sina war zuversichtlich gewesen.
„Paps, Jannik ist etwas ganz besonderes, denn er hat mich aus dem Sumpf gezogen und mir neues Leben geschenkt.“
Ich erinnerte mich noch gut daran, wie sie mit abwehrender Haltung vor mir gestanden hatte und meine Zweifel im Keim zu ersticken versuchte. Es hatte funktioniert. Und jetzt? Hinterher konnte man immer sagen, dass man seine Entscheidung am liebsten rückgängig machen wollte, doch es nutzte ja nichts.
Es war passiert und wir mussten nun da durch, aber meine größte Sorge war eine andere. Ich hatte Angst, dass Sina mich wieder ausgrenzen und sich zurückziehen würde.
Ich erinnerte mich nicht gerne an die Vergangenheit, die das Leben meiner Tochter zerstört hatte. Sinas starre Miene, ihre leeren Augen und ihr ängstliches Zurückweichen, als ich sie danach zum ersten Mal sah, verfolgten mich jetzt noch und diese leeren Augen blickten mich in meinen Träumen immer an und ließen mich hochschrecken. Ich machte mir Vorwürfe nicht immer für sie dagewesen zu sein und wahrscheinlich hatte sie mich genau deswegen ausgeschlossen um alleine mit ihren Qualen fertig werden zu wollen.
Umso mehr hatte ich Probleme mich mit Jannik anzufreunden. Damals konnte ich nicht glauben, dass er es gewesen sein soll, der Sina helfen konnte. Kaum einer kam an sie ran. Und ausgerechnet bei ihrem ersten Ausflug aus der Psychiatrie war sie ihm begegnet und ihr Leben hatte sich so kolossal verändert, dass ich nicht mehr mitkam.
Ich kniff die Augen zu, wollte mich nicht daran erinnern. Nicht nur die Vergewaltigung hatte Sina verändert. Alles, was daraus resultierte, war viel schlimmer. Ihre Sucht nach Schmerz, den ich niemals verstehen konnte, ihr Selbsthass. Sie hatte sich sehr stark verändert. Unsere Beziehung hatte sich verändert. Und erst als Jannik in ihr Leben trat und ich merkte, dass er wirklich einen positiven Einfluss auf sie hatte, besserte sich auch unser Vater-Tochter Verhältnis.
Und jetzt war die Zeit mit Jannik vorbei… Weil er sie betrogen hatte…
Ich spürte Wut und Angst mein Gehirn verseuchen. Zum Glück hatte Sina sofort zugestimmt mich zu besuchen und ich war so extrem dankbar, dass Lena mitgekommen war. Sina war stabiler als damals – zumindest machte sie auf mich den Eindruck…
Doch ihr Gesichtsausdruck, als der Arzt die Schwangerschaft erwähnte, war im ersten Moment wie der letzte Nagel zu ihrem Sarg – und auch meiner. Denn auch wenn ich viel mit ihr – wenn auch indirekt und aus der Entfernung – erlebt hatte, was mich eher stark gemacht hatte: Jetzt würde ich keine Kraft mehr dazu haben.
Ein Bild von Sina schoss mir plötzlich in den Kopf. Sie lag im Krankenbett und ich wartete gespannt darauf, dass sie mich endlich ansah, doch ihr erster Blick galt Robert, der am Fußende des Bettes ebenso angespannt war wie ich.
Langsam musste ich mich mit einer unausweichlichen Frage auseinander setzen: Würde meine Tochter eine Freundschaft mit Robert beginnen? Wenn auch vielleicht nicht jetzt sofort, dann aber irgendwann – das war ganz offensichtlich.
Vielleicht würde sich sogar noch mehr daraus ergeben… Oh Gott… Darüber durfte ich gar nicht nachdenken…
Robert war ein anständiger Kerl und er wäre vermutlich ein besserer Partner als Jannik und so sehr ich eine glückliche Tochter wollte… Sie würde mit Robert nicht glücklich werden… Nicht, wenn die Presse Sina in tausend Fetzen reißen würde. Was, wenn irgendwer in ihrer Vergangenheit kramen würde? Oder noch schlimmer: Was, wenn jemand ihre Narben sah und wilde Spekulationen und Gerüchte verbreitete? Das durfte niemals passieren… Niemals…
Ich musste dringend mit Sina reden. In unserem ersten Gespräch schien sie mich nicht ganz ernst genommen zu haben. Sina hatte meine Bedenken einfach so abgeschüttelt, was vielleicht auch daran lag, dass dieses Gespräch zu früh stattgefunden hatte. Jetzt, wo ich mir die Blicke, die zwischen Sina und Robert hin und her gegangen waren, wieder in Erinnerung rief, bestätigte sich meine Befürchtung. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die beiden einander näher kamen. Ob nun freundschaftlich, oder mehr – ich war mir sicher, dass es nur noch eine Frage der Zeit war. Robert hatte eine große Wirkung auf Frauen und meine Tochter war definitiv keine Ausnahme…
Als ich gerade den Flur betrat, wo das Zimmer meiner Tochter lag, kamen Sina und Robert aus ihrem Zimmer. Ich glaubte meinen Augen nicht…
Engumschlungen küssten sie sich und gaben meinem Sorgenbaum noch mehr Wasser zum wachsen…

© 2010 by Blutmädchen

zum 11. Kapitel

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