Breaking Dawn Come True - Der OneShot

Breaking Dawn Come True

Kristens POV


Eine vierwöchige Pause kann lang sein. Manchmal echt zu lang. Ich konnte es nicht erwarten alle meine netten Kollegen wiederzusehen. Seit unserem ersten Film Twilight waren wir zu einer Familie geworden. Wir konnten über alles Reden. Was einen störte, wurde früh aus der Welt geschafft und Hilfsbereitschaft wurde extrem groß geschrieben. Man konnte sich immer auf jeden verlassen. Für mich gehörten meine Schauspielkollegen längst zur Familie.
Besonders mit Nikki und Robert verstand ich mich ausgezeichnet. Nikki wurde meine beste Freundin und Rob... Tja, wie sollte ich Rob einstufen? Wir harmonierten von Anfang an perfekt, ergänzten uns und aus einem Job wurde eine wunderbare Freundschaft. Auch wenn mich diese Freundschaft meine Beziehung kostete. Michael rastete nach jedem Artikel über Rob und mich, dass wir angeblich ein Paar seien, völlig aus und die Fotomontagen erkannte er nicht als diese und machte endgültig mit mir Schluss. All die Jahre wollte ich nur ihn, aber als er die Beziehung beendete und ausgerechnet Rob für mich da war, mich auffing und mir Halt gab, merkte ich, dass sich in meiner Gefühlswelt doch etwas entwickelt hatte, was da eigentlich nichts zu suchen hatte. Je fürsorglicher Rob wurde und je enger wir bei den Dreharbeiten zusammenstanden, uns laut Drehbuch küssen und umarmen mussten, desto intensiver spürte ich den Wunsch mein eigenes Drehbuch zu schreiben und es mit ihm in die Tat umzusetzen. Wenn wir privat unterwegs waren und die Gerüchteküche immer weiter brodelte überkam mich der Drang Rob meine Gefühle zu offenbaren, aber ich hatte Angst vor seiner Reaktion. Er stand noch schlimmer im Rampenlicht als ich und seine Aussage, er könnte so keine Beziehung führen, war eine deutliche Ansage – also beließ ich es dabei, lernte meine Gefühle zu kontrollieren und genoss die Bella-Edward-Momente umso mehr. Das er nicht merkte, dass ich mich wirklich in ihn verliebt hatte, zeigte mir, dass ich eine gute Schauspielerin war. Das war meine Motivation nun auch die Dreharbeiten zu Breaking Dawn erfolgreich und professionell hinter mich zu bringen und vielleicht... wenn die Saga beendet war... und Rob und ich wieder ein normales Leben führten...wenn sich der Trubel ein bisschen legte... vielleicht... ja, vielleicht würde ich ihm dann ja doch meine Gefühle gestehen können. Würde ich es jetzt tun, könnten wir bestimmt nicht mehr miteinander drehen und da es nur noch ein Film war, war das auch zu schaffen.

Freudestrahlend ging ich ins Hotel und die Schmetterlinge in meinem Bauch tanzten schon Samba. Robs Lächeln war nicht mehr weit entfernt. Ach, Kristen, reiß dich zusammen, mahnte ich mich grinsend und ging die letzten Stufen hoch.
Ich ging zur Rezeption und ehe ich einchecken konnte wurde ich schon von hinten gepackt und in eine feste Umarmung gezogen. Kellan gab mir einen Kuss auf die Wange.
„Schön dich wiederzusehen, Kris. Jetzt ist es ja endlich soweit. Du wirst meine Schwägerin.“ Ich lachte laut auf.
„Ach Emmett, ich freu mich schon so sehr darauf“, grinste ich ihn an. Ich wusste ganz genau worauf Kellan anspielte. Er freute sich auf unseren Tanz. Während unserer Pause hatten wir Tanzstunden bekommen und da ich und Kellan am wenigsten von allen tanzen konnten, mussten wir es immer zusammen versuchen. Wir haben uns mehr auf den Füßen gestanden, als alles andere, aber wir hatten Spaß und das war die Hauptsache.
„Wieso nennst’n du mich Kellan?“, wollte er wissen. Mein Grinsen wurde breiter.
„Du nennst mich Kristen und sagst ich würde deine Schwägerin werden. Bella wird aber Emmetts Schwägerin. Ich wollte dich nur noch mal an die Realität erinnern.“ Ich zwinkerte ihm zu.
„Na, Kellan, wieder voll in Emmetts Rolle?“, fragte plötzlich eine sanfte Stimme hinter uns. Als ich mich umdrehte und Robs wunderschönes Lächeln sah strahlte mein Herz und schlug mir fast bis zum Hals. Ich umarmte ihn und wühlte durch seine Haare. Es war ein tolles Gefühl und in solchen Momenten war ich einfach froh, dass wir so gut befreundet waren, denn dieser Körperkontakt war zur Normalität geworden und ich war froh, dass Rob nicht spüren konnte, wie es sich für mich verändert hatte.
„Ach, Rob, nu freu dich doch. Du heiratest doch“, sagte Kellan. Es wäre zu schön, wenn das die Realität wäre. Warum konnte Kellan nicht damit aufhören? Mit seinen Scherzen verwischte er die Grenzen zwischen Schauspiel und Realität, die ich mir mühsam aufgebaut hatte. Glücklicherweise rettete mich Rob.
„Na wir haben ja zum Glück noch Zeit. Die Hochzeit ist ja nicht die erste Szene. Und darüber werde ich auch erst richtig nachdenken, wenn ich Kris den Ring anstecke.“ Er schaute mich grinsend an.
„Soll ich dir mal ein Geheimnis verraten, Kris?“
„Klar.“
Robs Lächeln wurde breiter. „Ich musste mich so zusammenreißen nicht loszulachen, als Edward Bella den Heiratsantrag gemacht hat, denn da ging es nach Drehbuch und da konntest du nicht Nein sagen.“ Sein Lächeln wurde immer breiter. „Anders, als ich dir scherzhaft schon mal einen Heiratsantrag gemacht habe und du – selbstverständlicher Weise – abgelehnt hast.“ Sofort dachte ich an den Moment. Rob, wie er mit völlig ernstem Gesicht vor mir auf die Knie ging, meine Hand nahm und die Worte „Kristen, willst du mich heiraten?“ sagte. Es war direkt nach dem Abend, wo wir das erste Beziehungsgerücht in der Zeitung lesen mussten und ich mich zum ersten Mal richtig heftig mit Michael gestritten hatte. Ich war damals so erstarrt und geschockt gewesen, dass ich keinen Ton rausbrachte, bis Rob sich vor Lachen schüttelte und meinte es sei nur ein Scherz gewesen.
„Ja, ich erinnere mich“, grinste ich nun zurück, denn ich hatte mich sofort an ihm gerächt und ihm ein Glas Cola ins Gesicht geschüttet. Ich war wirklich wütend gewesen, aber sein Humor damit umzugehen war einfach nur zu bewundern und ziemlich versöhnlich – ich konnte gar nicht böse auf ihn sein.
Rob lachte. „Oh ja, stimmt.“ Er runzelte kurz die Stirn. „Gut, dass du mich daran erinnerst, jetzt weiß ich, was ich bei der Szene nicht vergessen darf.“
Ich blickte ihn verdutzt an. „Was denn?“
„Gucken, ob ja kein Colaglas in der Nähe steht“, lachte er und zog mich in eine Umarmung.
„Und jetzt pack deine Klamotten aufs Zimmer, wir haben Hunger und wollen endlich was essen. Dir ist schon klar, dass du die Letzte bist, oder?“
„Was? Wieso? Ashley und Jackson wollten doch erst morgen kommen“, rief ich erschrocken aus. Das war ja peinlich als letzte anzutanzen – und dann noch als Hauptdarstellerin.
„Nein, die beiden Turteltauben sind schon vorgestern angekommen, gemeinsam mit mir“, antwortete Rob.
Ich merkte wie mir meine Gesichtszüge entglitten.
„Turteltauben? Soll das heißen die beiden –“ doch Rob unterbrach mich.
„sind zusammen? Ganz genau. Jetzt haben sie es öffentlich gemacht.“ Er sah meinen verdutzen Gesichtsausdruck und sagte „Alle anderen waren genauso überrascht, wie du. Jeder dachte bei uns beiden klappt es als erstes.“
„Ich auch“, stimmte ich ohne groß zu überlegen zu. Rob sah mich geschockt an. Ganz langsam realisierte erst mein Körper was ich eben laut gesagt, statt gedacht hatte. Ich wurde feuerrot, meine Wangen glühten. Dann sickerte die Peinlichkeit auch in meinen Verstand und mein Mund klappte auf. Rob sah mich immer noch entgeistert an, aber ich konnte es ihm jetzt nicht erklären. Ohne zu zögern schnappte ich mir den Türschlüssel, den die Rezeptzionist bereits für mich hingelegt hatte und rannte Richtung Fahrstuhl.
„Kris“, hörte ich Rob noch hinter mir rufen, aber ich drehte mich nicht um. Ich hatte soeben eine Grenze übertreten. Eine klare, dicke rote Grenze, hinter der nur Probleme lauerten. Ich spürte sie schon ganz langsam auf mich zukriechen.
Wie sollte ich Rob jetzt gegenübertreten?
Sollte ich ihm meine Gefühle gestehen?
Würde das unsere Arbeit beeinflussen?
Was würde er sagen?
Würde mich seine Zurückweisung, die garantiert kommen würde, verletzten?
Mit einem Mal hatte ich die Worte meiner Mutter im Ohr. „Sag ihm nicht, dass du ihn liebst, das bringt nur Verwirrung in eure Arbeit und du willst Breaking Dawn doch nicht gefährden, oder?“
Doch ich hatte es vermasselt, weil mein Mund mal wieder schneller war, meine eigene Zunge mich überlisten konnte und ich gar keine Chance hatte mich Rob zu erklären. Er hielt mich jetzt bestimmt für einen Feigling, dass ich einfach wegrannte. Aber ich konnte ihm meine Gefühle nicht erklären. Damit würde ich seine Prinzipien hintergehen. Er wollte keine Beziehung. Und selbst wenn wir doch zusammen kommen könnten, würde das noch mehr Medienpräsenz bedeuten und das konnte ich ihm nicht zumuten. Rob stand doch jetzt schon kurz vor einem Nervenzusammenruch. So gut kannte ich ihn schon, dass ich wusste wie er es versteckte und kaschierte.
Plötzlich klopfte es an meiner Tür.
„Kristen, mach mal bitte auf. Wir sollten reden.“ Rob. Oh nein. Ich konnte es ihm doch nicht erklären. Die Dreharbeiten haben doch noch gar nicht begonnen, ich konnte es nicht riskieren, dass unsere Verhältnis die Arbeit behinderte. Doch dann kam mir eine Idee. Wenn ich Rob davon überzeugen könnte, dass ich das auch immer dachte, weil man es mir von außen bewusst vor die Augen gesetzt hat und man das vielleicht irgendwann selber glauben konnte? Das war ein erbarmungswürdiger Versuch und Rob war zu intelligent – er würde mich garantiert sofort durchschauen, aber solange es die kleinste Chance gab musste ich es probieren. Ich erinnerte mich daran, dass ich Schauspielerin war und ich bisher auch meine Gefühle überspielen konnte – warum also nicht auch jetzt?! Also: Ran an den Mann. Oh man, Kristen, du bringst dich nur selbst in die Bredouille wenn du es so denkst.
Ich zauberte ein Lächeln auf meine Lippen und öffnete mit einem Schwung – ehe ich es mir doch wieder anders überlegen konnte – die Tür. Rob stürmte sofort an mir vorbei.
„Kristen, wir müssen reden“, sagte er. Ich versuchte mein Lächeln beizubehalten, aber sein Gesichtsausdruck ließ mich innerlich zusammenzucken. Ich wusste es...
„Kris, ich“, begann Rob, aber ich ging ihm sofort dazwischen.
„Robert, lass mich erklären“, ich lächelte tapfer weiter, auch wenn mir eher nach weinen zumute war. „Rob, versteh mich mal. Ständig liest man in der Zeitung, dass man eine Beziehung hat, innig verliebt ist und was weiß ich nicht alles.“ Während ich sprach beobachtete ich ihn genau um notfalls eingreifen zu können, falls er mir meine dumme Ausrede doch nicht abnehmen würde. „Irgendwann konnte ich einfach nur darüber lachen und habe mir gedacht, okay, wenn die Leute das unbedingt glauben wollen... Aber es war ein Fehler meinerseits, weil... je öfter ich das gelesen habe, desto eher habe ich selbst daran geglaubt.“ Sein Gesichtsausdruck war immer noch angespannt. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass er erleichtert sein müsste, stattdessen regte sich etwas anderes in seinem Blick. Was war es nur? Ich konnte es nicht deuten.
„Mehr ist es nicht für dich?“, fragte er mich plötzlich. Diese Frage riss mich völlig von den Füßen. Was dachte er gerade?
„Ähm... nein“, stammelte ich. „Wir sind nur Freunde, das hatten wir doch längst geklärt?“ Ich endete mit einer Frage. Ich registrierte, wie seine Schultern sanken.
„Achso. Okay. Ich...“ Rob schaute verwirrt und beschämt umher. Er schaute auf alles, nur nicht mehr auf mich. „Ich dachte...“ Er machte einen Schritt auf mich zu, aber dann drehte er sich abrupt um und verschwand zur Tür. Wie paralysiert stand ich da, außer Stande einen vernünftigen Gedanken an den anderen zu heften, unfähig zu verstehen, was das jetzt gerade eben war. Ich zwang meine Beine vorwärts – diesmal wollte ich von Rob eine Erklärung und den Ende des Satzes, den er begonnen hatte, aber meine Beine wollten einfach nicht gehorchen.
„Klopf, klopf“, machte es plötzlich. Nikki stand in der offenen Tür. „Tag der offenen Tür?“, fragte sie mit hochgezogenen Augenbrauen und zeigte auf den Türrahmen. Endlich löste sich meine Starre. Nikki wusste von meinen Gefühlen für Rob. Sie war genau die, die ich gerade brauchte.
„Nikki“, schluchzte ich und warf mich in ihre Arme. „Ich bin ein totaler Vollidiot.“
Nikki guckte mich verwirrt an. „Warum das denn? Was ist passiert?“, wollte sie wissen. Sie legte einen Arm um meine Taille und führte mich zum Sofa.
Schluchzend erzählte ich ihr von Rob und sie drückte mich fester an sich.
„Kris, ich glaube es wird Zeit, dass du ihm definitiv sagst, was du für ihn empfindest. Dieses Katz und Maus Spiel bringt dich auch nicht weiter.“
„Aber er will es doch gar nicht. Außerdem will ich ihm nicht noch mehr Schwierigkeiten bereiten.“
Nikki schaute mich ungläubig an. „Kristen Stewart. Mach mal deine verklebten Augen auf. Rob hat auch Gefühle für dich. Jeder am Set merkt, was ihr füreinander empfindet nur ihr selbst nicht – das ist –“ sie brach ab und stand auf.
„Kris, bitte geh zu Rob und sag es ihm. Du machst dich nur unglücklich. Verdammt, ich könnte dir gerade einen Arschtritt verpassen, der sich gewaschen hat. Du verdienst einen Tritt in dein Glück, da du selbst völlig auf der Leitung stehst. Und in einem Punkt bin ich mir sicher: Rob wollte es dir sagen, nachdem er den Hoffnungsschimmer hatte, dass du genauso fühlst wie er – und was machst du? Sagst ihm das völlig falsche. Aargh!“
Nikki flatzte sich wieder neben mich auf die Couch, schlug die Beine übereinander und verschränkte die Arme vor der Brust. Jetzt hätte es nur noch gefehlt, dass sie die Backen á la Hamster aufplustert.
„Nikki, warum reagierst du jetzt so?“, fragte ich.
Sie sah mich an und grinste plötzlich los.
„Mensch, Krissy.“ Sie drehte sich zu mir und nahm meine Hände in ihre. „Geh zu Rob. Wenn es sein muss schiebe ich dich dahin!“
Ich traute ihr glatt zu, dass sie ihre Drohung wahr machte. Langsam erhob ich mich.
„Und was soll ich ihm sagen?“
Nikki verdrehte die Augen.
„Lass dein Herz sprechen.“
Und so schob sie mich aus meinem Hotelzimmer.

„Kristen, Nikki, da seit ihr ja, ich habe euch schon überall gesucht.“ Chris, unser Regisseur kam auf uns zu.
„Du bist schon hier?“, fragten Nikki und ich wie aus einem Mund.
„Klar, unser Zeitplan hat sich minimiert. Wir müssen noch heute Abend mit den Dreharbeiten beginnen. Wir fliegen in zwei Stunden nach Kuba um dort Bellas und Edwards Flitterwochen zu drehen. Ich habe heute eine Nachricht erhalten, dass wir den Drehort dort so schnell wie möglich nutzen müssen“, sein Blick wurde grimmig. „Alles wurde abgeklärt und die bringen wieder alles durcheinander. Ich hoffe du und Rob seit schon bereit?“
Ich starrte Chris an. Bereit? Der Dreh zu den Flitterwochen? Nein! Nein, ich war nicht bereit. Das bedeutete, dass Rob und ich miteinander schlafen mussten. Diese Szene war lange diskutiert worden und das Ergebnis war, dass sich alle einig waren, auch eine verschleierte Sexszene zeigen zu können, wenn man die Geburt von Bellas und Edwards Tochter zeigen konnte. Zu der Zeit hatten Rob und ich Witze darüber gemacht und ich hatte mich innerlich auf diesen Dreh gefreut, aber jetzt, da Rob bescheid wusste, dass ich wirkliche Gefühle für ihn hatte – ich machte mir da gar nicht erst was vor – würde dieser Dreh ein Albtraum werden. Ich wollte protestieren, aber welche Wahl hatte ich schon? Jetzt durfte ich erst recht nicht mit Rob reden und dankbarer Weise dachte Nikki das selbe, denn sie sagte „Dann rede mit Rob nach dem Dreh.“ Ihrer Miene nach zu urteilen, machte sie sich Sorgen um mich. Ich war dankbar, dass sie mich jetzt so unterstützte, denn das zeigte mir, dass sie mich verstand.
Jetzt konnte ich nur hoffen, dass Rob das genauso verdrängen würde wie ich – wir hatten einen Job vor uns und den wollte ich so perfekt wie möglich erledigen, auch wenn es mir sehr schwierig erschien, meine eigenen Gefühle zu unterdrücken, wenn Rob und ich nackt aneinander gepresst wären. Sofort stieg die Hitze in mir hoch und ich unterdrückte es sofort.
Ich schaff das!

Als Chris und ich nach unten die Empfangshalle des Hotels kamen, waren auch der Rest des Teams anwesend. Nur Rob und ich waren als einzige Schauspieler dabei. Das konnte ja was werden. Ich bemühte mich seinem Blick auszuweichen, aber das war nicht so schwer wie gedacht. Er schaute mich gar nicht an. Was wohl in ihm vorging? Dachte er auch, dass das eine Katastrophe werden könnte? Einen kurzen Moment dachte ich darüber nach ihn kurz zur Seite zu nehmen, ihm alles zu gestehen und ihn dann zu bitten es schnellstens wieder zu vergessen, aber bevor das passieren würde, würde ich noch eher an den Weihnachtsmann und Osterhasen glauben.
Ich war so in meinen Gedanken vertieft, dass ich gar nicht mitbekam, wie Rob sich zu mir setzte. Erschrocken blickte ich auf und wäre am liebsten aufgestanden um mich woanders hinzusetzen, aber es war besser, wenn das keiner aus dem Team mitbekam.
„Kris, bitte raste nicht aus, aber ich muss dir etwas sagen –“ Er stockte und dann verschlug es mir den Atem. Er sah mich an und sein Blick, der sich in meinen bohrte, sprach mir aus der Seele. Liebe, Verzweiflung und Angst. Ich lag also völlig daneben. Er war genauso in mich verliebt, wie ich ihn in – Nikki hatte Recht. Seit wann? Wie lange war ich blind gewesen? Wie viele schöne Momente waren mir entgangen?
„Ich habe mich von Anfang an in dich verliebt, Kris, aber du hattest einen Freund und da wollte ich nie dazwischen. Es war auch wirklich nie meine Absicht deine Beziehung zu zerstören.“ Er sah mich flehend an. Ich glaubte ihm sofort! „Jetzt war der passende Zeitpunkt um es dir zu sagen, wenn du nicht so empfindest ist es okay für mich. Ich will einfach nur, dass du es weißt.“
„Rob, ich –“
„Nun aber flott, flott, unser Zeitplan ist verdammt eng, los, los.“ Chris lächelte uns an. „Ihr beide seid Vollprofis, ihr schafft es auch, obwohl es gar nicht geplant war.“ Ich wollte wiedersprechen, aber Rob war schneller.
„Ja, wir schaffen das“, sagte er und sein Blick ließ mich fast dahinschmelzen. Ich musste ihm sagen, dass ich genauso fühlte. Er liebte mich und ich liebte ihn. Warum musste Chris gerade jetzt auftauchen? Warum musste er mich um diesen einen Satz bringen? Ich liebe dich doch auch, Rob!

Im Flugzeug saßen Rob und ich direkt nebeneinander. Am liebsten hätte ich seine Hand ergriffen, mich zu ihm gebeugt und ihm „Ich liebe dich“ ins Ihr geflüstert. Aber stattdessen lehnte ich mich von ihm weg um erst gar nicht dieser Versuchung ausgesetzt zu sein. Schließlich war das etwas sehr privates und ich wollte nicht, dass das ganze Team mein Liebesgeständnis mitanhörte.
Der Flug war eine einzige Qual. Liebe, Verzweiflung... Er war nicht weit von mir entfernt. Eine Berührung hätte gereicht, um ihm meine Gefühle klarzumachen, aber ich traute mich nicht.
In Havana gelandet, lief Rob direkt hinter mir. Seine Nähe spürte ich in jeder Zelle meines Körpers. Ich musste mich wahnsinnig zusammenreißen. Wenn ich im Hotel war, würde ich erst mal kalt duschen gehen, damit diese Leidenschaft, die in mir brannte, endlich abgeschwächt wurde und ich an meinen Job denken konnte.
Job...
Haha. Toll, Kristen, das war ja echt eine klasse Sache. Liebe und Leidenschaft – genau das spiegelte doch eine Hochzeitsnacht wieder! Wie sollte ich da Berufliches und Privates trennen, verdammt? Es war unmöglich.
Das Klingeln meines Handys holte mich aus meinen Gedanken.
„Kristen? Kommst du runter? Wir werden gleich die Dreharbeiten besprechen.“ Chris.
Jetzt wurde es also ernst. Ich sagte ich beeile mich und legte auf. Mit einem Mal war ich ganz ruhig. Es kam so plötzlich, so unverhofft, dass sich prompt die Nervosität wieder breit machte. Ich hatte heute eine wunderbare Chance Rob meine Gefühle zu gestehen. Bei dem Dreh! Ich würde einen Weg finden!

„Kristen, endlich“, begrüßte mich Chris. „Wir brechen sofort auf. Planbesprechung direkt am Set.“
Ich warf einen schnellen Blick zu Rob, der mich musterte. Seine Haltung gefiel mir. Er war gewappnet – na hoffentlich auch auf das unerwartete, dachte ich.

Der Weg zum Set verlief schweigend. Immer wieder sah ich zu Rob und spürte seine Blicke auf mir. Kleine Funken stoben in meinem Inneren, wollten raus, wollten leidenschaftlich lieben, aber ich musste mich zurückhalten – noch...

Die Atmosphäre war traumhaft. Ein leichter Wind fegte über die Insel. Die Lichter des Hauses lockten mich an – es war alles so unwirklich, so wunderschön. Dies war der ideale Ort für Bella und Edward – und für Rob und mich würde er garantiert noch bedeutungsvoller werden. Die Funken in mir explodierten weiterhin voller Vorfreude.

Die Besprechung nahm ich gar nicht mehr richtig wahr. Ich wusste was im Drehbuch stand – das einzige, woran ich denken musste, war, dass ich Edward sagen musste und nicht Rob... Mit einer kleinen Ausnahme! Die Schmetterlinge in meinem Bauch zogen sich vor Vorfreude zusammen.

Endlich war es soweit. Rob ging ins Wasser, ich ging ins Haus. Die Ängste, die ich hatte, als ich diesen Teil zum ersten Mal las, waren vergessen. Ich schämte mich meines Körpers nicht. Die Kameras um mich herum nahm ich nur am Rande war – sie waren unbedeutend. Das einzige, was zählte, war, dass Rob endlich erfuhr, dass ich ihn auch liebte.
„Camera – Action“
Ich lief los. Mein Weg zu Rob. Mein Weg zu unserer Liebe.
Meine Füße spürten das warme Wasser. Ich ging langsam hinein. Es war ein schöner Moment. Langsam trat ich auf Rob zu. Ich trat von hinten an ihn heran und legte ihm meine Hand auf seine, die auf der Wasseroberfläche auflag. Sein Blick war gen Himmel gerichtet.
„Wie schön es ist“, sagte ich und schaute ebenfalls hoch.
Ich hatte hier immerhin noch einen Job zu erledigen.
„Ja, nicht schlecht - “, erwiderte er. Er drehte sich zu mir um und als unsere Blicke sich trafen, ich in seine goldfarbenen Augen blickte, wünschte ich mir nichts sehnlicher, als in seine eigenen, wunderschönen blau-grauen Augen schauen zu können.
„- aber ich würde nicht das Wort schön gebrauchen. Nicht mit dir vor Augen.“ Langsam legte er seine Hand auf meine Brust und ich war mir sicher, dass er die Beschleunigung meines Herzschlags deutlich spürte.
„Ich habe versprochen, dass wir es versuchen. Wenn .. wenn ich etwas falsche mache, wenn ich dir wehtue, dann musst du es mir sofort sagen.“
Innerlich bewunderte ich ihn. Er machte einen ausgezeichneten Job und er war voll in Edwards Rolle drin. Ein bisschen machte ich mir schon Sorgen, dass ich ihn mit meinem privaten Liebesgeständnis aus der Bahn werfen könnte, aber dann meldete sich erneut die Freude in mir, denn dann müssten wir die Szene noch mal drehen und nichts würde ich gerade lieber tun, als stundenlang mit Rob in diesem warmen Wasser an diesem wunderschönen Ort zu verbringen.
„Hab keine Angst. Wir gehören zusammen“, murmelte ich und legte meinen Kopf an seine Brust.
Er zog mich in eine Umarmung, flüsterte mir „Für immer“ ins Ohr und zog mich mit ins Wasser.
„Und Cut“, rief Chris. Er lächelte zufrieden. „Das war fantastisch. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber diese Szene nehmen wir unbedingt! Das war fantastisch. Einfach genial.“ Er überschlug sich schon fast vor Freude.

„Guter Job“, raunte mir Rob ins Ohr.
Ich lächelte.
„Danke, gleichfalls“, antwortete ich und schenkte ihm einen glühenden Blick.

„Dann können wir ja direkt weitermachen. Edward trägt Bella ins Haus, legt sie aufs Bett und sie schlafen miteinander. Seit ihr bereit?“
„Ja“, antworteten Rob und ich wie aus einem Mund. Endlich kam der alles entscheidende Moment. Mein Liebesgeständnis. Unser erster Sex. Denn egal ob es ein Schauspiel war – ich würde meine ungeheure Lust nicht zügeln können.

„Camera – Action“, ertönte es wieder und Rob nahm mich auf seinen Arm. Wild küssend lief er ein paar Schritte mit mir. Dann rief Chris erneut „Cut“, aber wir ignorierten seinen Ruf. Diese Küsse waren etwas ganz anderes, als bisher. Vielleicht lag es daran, dass Bella und Edward nun auch einen Schritt weiter waren... Oder?
„Camera – Action“ rief Chris erneut und ich verstand. Er war überzeugt und wollte die Szene doch nicht unterbrechen. Rob trug mich durch die Tür und ins Wohnzimmer. Vorsichtig legte er mich ab und beugte sich über mich. Ich zog ihn an mich, wir küssten uns weiter, das Kribbeln wurde immer intensiver und ein brennendes Verlangen glühte in mir. Ich zog ihn zu mir runter, meine Lippen fanden sein Ohr und ich flüsterte „Ich liebe dich auch, Rob“ Er sah mich an und das Feuer der Leidenschaft erglühte in seinen Augen. Er war nicht überrascht, oder aber er überspielte es ganz gut. Seine Hand fuhr zu meinem Bein, er streichelte mich, vorsichtig, genau wie Edward es getan hätte. Er vermischte berufliches und privates ziemlich gut. Mir war jetzt alles egal. Ich wollte Rob. Das Team, die Kameras, alles andere war ausgeblendet – es gab nur Rob und mich....

„Robert? Kristen? Kommt mal hierrüber.“ Chris sah verwirrt und zufrieden zugleich aus. Seine „Cut, Cut-Rufe“ waren in unserer Intensität völlig untergegangen. Wenn Chris jetzt behaupten wollte, es wäre nicht überzeugend genug gewesen, würde ich ihm an die Kehle gehen.
„Ihr habt also endlich zueinander gefunden, ja?“, wollte er wissen.
Wie, als wäre es das selbstverständlichste der Welt, schlang Rob einen Arm um meine Taille und lächelte mich liebevoll an.
„Ja“, antwortete Rob strahlend.
Wir küssten uns wieder, leidenschaftlich. Ich war einfach nur unendlich glücklich.
„Ich will eure Liebe ja nur ungern unterbrechen, aber ich möchte gerne noch was besprechen.“
Wiederwillig löste ich mich von Rob.
„Also das war einfach fantastisch. Ich würde dieses Material gerne benutzen, wenn ihr nichts dagegen habt.“
„Überhaupt nicht“, antwortete Rob prompt. „Aber nur, wenn wir es noch mal sehen dürfen.“
Ich setzte mich auf Robs Schoß, während Chris das Material vorspulte. Ich brauchte Rob gerade ganz nah bei mir. So lange hatte ich auf ihn verzichten müssen, dass es jetzt pure Verschwendung wäre, wenn Platz zwischen uns wäre. Rob schien es genauso zu sehen, denn er legte einen Arm ganz fest um meinen Bauch.
Unser Schauspiel war wirklich extrem überzeugend. Eigentlich passten unsere eigenen Gefühle ziemlich gut zu den Charakteren, die wir verkörperten. Edward war gegenüber Bella anfangs eher zurückhalten und vorsichtig. Bella wollte ihn – genau wie ich Rob wollte und Rob war unsicher ob er meine Grenze – die private Grenze – überschreiten könnte. Alles passte. Wir konnten stolz auf uns sein. Als ich uns beide so sah, wuchs in mir wieder ein glühendes Verlangen. Heute Abend im Hotel würde ich definitiv nicht alleine schlafen...

Unser Abenteuer am Set in Havana blieb natürlich nicht lange ein Geheimnis.
„Robsten: Heiße Nächte auf Kuba“ titelte eine Zeitung, „Robert Pattinson und Kristen Stewart gestehen: ‚Ja, wir sind ein Paar’“.

Mein Handy blieb nicht mehr stumm. Nikki quiekte voller Freude, sie freute sich am meisten. „Habt ihr es also endlich geschafft. Oh, Kris, ich freu mich so für dich!“

An unserem letzten Tag in Havana, die Dreharbeiten waren an diesem Set schneller fertig gestellt als gedacht, lagen Rob und ich auf seinem Zimmer und genossen unsere Zweisamkeit. Endlich gab es Zeit über alles zu reden, da wir die erste Zeit nach unserem Beziehungsstart dauerhaft mit den Lippen an denen des Anderen hingen, was es bisher etwas schwierig machte zu reden. Wir hatten noch ein bisschen was an Gesprächsstoff nachzuholen, auch wenn wir jetzt garantiert nicht über alles reden würden – dafür waren wir beide zu versessen aufeinander.
„Kristen, ich bin dir so dankbar“, flüsterte Rob mir ins Ohr. Ich schloss die Augen. Seine Küsse wanderten an meinem Hals hinab. „Ich liebe dich so sehr.“
„Ich dich auch, Rob. Wir haben ganz schön viel verpasst – das müssen wir jetzt alles nachholen.“
Er lachte an meinem Hals.
„Oh ja.“ Sein Blick glühte. „Aber eins musst du mir mal verraten“
„Was denn?“ Ich zeichnete mit meinem Finger seine Brust entlang.
„Warum hast du mir das ausgerechnet beim Dreh gesagt?“
Ich grinste. „Na ja, als du mir sagtest, dass du mich liebst, hatte ich keine Möglichkeit dir meine Gefühle zu sagen, weil Chris dazwischen kam“, erklärte ich und küsste seine Brust. „Und dann, als ich an die Sexszene dachte, wollte ich es unbedingt. Ich wollte dich, mehr als je zuvor. Erklärung genug?“
„Fürs erste“, erwiderte er. „Können wir das noch mal wiederholen? Das war genial.“ Er grinste mich lüstern an.
„Alles was du willst, mein Traumprinz“, säuselte ich in sein Ohr, ließ meine Hand an seinen Innenschenkel entlang gleiten und küsste seine wunderbaren Lippen.

Zwei Monate später

Langsam stand ich auf. Alles drehte sich. Mir war schwindlig und schlecht und ohne zu zögern stürmte ich ins Bad und erbrach mich heftig. Zitternd sank ich zu Boden – ich fühlte mich miserabel, so schlecht wie nie zuvor. Und das ausgerechnet heute! Heute war doch die erste Besprechung nach Abschluss der Dreharbeiten. Ich durfte nicht so ausgekotzt aussehen. Vorsichtig hob ich den Kopf und schaute in den Spiegel. Was ein Elend – so konnte ich unmöglich dahin gehen.
Ich senkte meinen Kopf und mein Blick fiel auf eine Packung. Geschockt starrte ich auf die kleine schmale Schachtel. Ich nahm sie in die Hand und ließ sie sofort wieder fallen, weil meine Hände immer heftiger zitterten. Du bist nicht Bella, du bist Kristen! Du bist nicht Bella. Bella ist eine erfundene Person. Du bist real , redete ich mir zu. Ich wiederholte es immer wieder in Gedanken. Und doch ließ sich die Andeutung einer Gewissheit nicht leugnen. Meine Pillenpackung war halb voll. Ich hatte sie vor meiner Abreise völlig vergessen und auch nach meiner Heimkehr keine mehr genommen. Ich hatte gar nicht weiter darüber nachgedacht. Warum eigentlich nicht? Gerade in einer Beziehung, vor allem in so einer Beziehung zwischen Rob und mir – wir waren beide noch extrem jung und absolut nicht bereit ein Kind zu bekommen – hätte ich daran denken müssen.
Wann hatte ich zuletzt meine Periode bekommen? Auch darüber hatte ich merkwürdigerweise gar nicht mehr nachgedacht. Wie verantwortungslos war ich eigentlich? Ich war in einer Beziehung und somit nicht nur mir selbst gegenüber verpflichtet.
„Kristen, beeil dich, ich muss auch ins Bad“, rief meine Mutter und klopfte gegen die Tür. Ohne zu zögern ging ich zur Tür und ließ meine Mutter ein. Ich brauchte dringend eine Standpauke, weil ich so verantwortungslos gehandelt hatte.
„Was ist los, Kristen?“, fragte sie mich.
„Mom, ich –“
Ihr Blick fiel auf die Pillenschachtel in meiner Hand. Sie sah mich an, sah wieder auf die Pillen und lachte auf. Meine Mutter lachte? War das überhaupt meine Mutter? Das konnte nicht sein... Meine wahre Mutter würde mich jetzt anschreien, würde mich zum Arzt schleifen, einen Termin für eine Abtreibung machen, aber doch nicht... lachen?!
„Breaking Dawn come true“, lachte sie wieder.
„Mom –“
„Nein, Kristen, sag nichts, hör mir kurz zu. Rob hat gerade angerufen, er will dich abholen kommen. Das müssen wir jetzt erst einmal klären. Bist du in der Lage zu der Besprechung zu gehen?“
„Ich muss –“, fing ich an, aber sie unterbrach mich schon wieder.
„Ja, du musst, aber ich muss dich bis dahin auf die Beine bekommen.“
Sie lächelte noch immer. Ich verstand es einfach nicht.
„Aber Mom –“
„Kristen, wir kriegen das hin. Jetzt nur eins nach der Reihe.“
Unten klingelte es.
„Ah, das ist Rob“, sagte sie vergnügt. „Soll ich ihn raufholen, oder kommst du runter?“
„Was?“ Ich war geschockt. Erst der Schock über eine mögliche Schwangerschaft, dann die Reaktion meiner Mutter und jetzt sollte ich es schon Rob erzählen? Das konnte ich nicht! Unmöglich!
„Nein, nein. Er darf es nicht erfahren. Er bringt mich um“, schrie ich und verfiel in leichte Hysterie.
Die Medien kreisten immer noch wie die Geier über uns und Rob würde mich für meine Verantwortungslosigkeit garantiert hassen. Ich wollte ihn nicht verlieren. Ich durfte dieses Kind nicht bekommen. Auf keinen Fall.
„Kristen“ Meine Mutter packte mich am Arm und schüttelte mich kurz. „Rob wird dich schon nicht dafür hassen. Er liebt dich und gemeinsam werdet ihr das schaffen, garantiert! Ich glaube an euch.“ Sie wollte mich in den Arm nehmen, aber ich stieß sie von mir.
„Mom, bitte. Du weißt, dass ich das nicht schaffe. Ich will noch kein Kind!“ Ich sagte es klipp und klar, aber... ich war schwanger! Dessen war ich mir ganz sicher – das brauchte mir nicht erst ein Arzt bestätigen. Und ich wusste, was das bedeutete. Die Trennung von Rob...
„Liebes, beruhige dich erst mal. Setz dich hin, ich hole dir ein Glas Wasser.“ Und sie verschwand. Ich wollte schon hinter ihr her, aber ich traute mich nicht Rob ins Gesicht zu schauen. Ich schämte mich. Hasste mich. Rob würde mich noch mehr hassen. Ich sank auf den Badezimmerboden und fing an zu weinen. Ich schluchzte so laut, dass ich nicht bemerkte, dass meine Mutter zurück gekommen war. Starke Arme stützen mich und zogen mich an sich. Ich krallte mich in die Arme meiner Mutter... und stutzte. Das waren nicht die Arme meiner Mutter. Es waren Robs Arme. Ich blickte ihn an. Sein Blick war besorgt.
„Kris, es ist alles gut, ich bin doch da, ich bin da“ Er versuchte mich zu trösten, doch ich stieß ihn unsanft weg. Er jedoch zog mich wieder an sich. Ich wehrte mich, aber er war viel stärker.
„Wir schaffen das, Kristen“, flüsterte er in mein Ohr. Wenn das beruhigend sein sollte, dann hatte es den gegenteiligen Effekt.
„Nein“, weinte ich. „Du hasst mich, ich weiß es!“
„Nein, nein, ich hasse dich nicht.“ Er versuchte mein Kinn zu heben und zwang mich, ihm in die Augen zu schauen.
„Ich liebe dich, Kristen. Wir schaffen das! Ich schwöre es dir“
„Versprich mir nichts“, erwiderte ich zornig. „Ich war verantwortungslos. Es ist alles meine Schuld! Ich will dieses Kind nicht!“ Ich schrie und stemmte mich gegen ihn. Endlich ließ er mich los. Sofort stürmte ich aus dem Bad und rannte aus dem Haus. Ich wollte vor mir selber fliehen. Hasste mich und wollte mein Ich hinter mir lassen. Meine Ängste und Sorgen brachen über mich herein und ich stürzte, weinte in die Erde, krallte meine Hände in die Wiese und schrie mir den Kummer von der Seele.

Sechs Monate später

Ich fühlte mich leer, ausgesaugt und schlapp. Mein Körper schien nicht zu mir zu gehören. Meine Finger zuckten, aber mein Arm wollte mir nicht gehorchen. Ich bekam die Augen nicht auf.
„Kristen, liebes.“ Eine sanfte Stimme holte mich aus meinem erschöpften Zustand. Meine Sinne waren mit einem Schlag erwacht.
„Sie kommt zu sich“, hörte ich eine andere Stimme. Auch diese Stimme kannte ich.
„Endlich“, sagte die erste Stimme zu meiner Rechten. Ich spürte einen leichten Druck an meiner Hand.
Ich kämpfte gegen die schweren Augenlieder, wollte sehen, fühlen und berühren. Langsam hob sich mein Augenlid und ich blinzelte in grelles Licht.
„Kristen.“ Ich drehte meinen Kopf nach Rechts. Rob. Er war da. So wie die ganzen letzten Monate. Er war wirklich immer noch da. Er hatte mich also nicht angelogen....
Langsam kehrten Erinnerungen zurück. Harte Stufen unter mir, ein reißen in meinem Inneren, ein Ultraschallbild...
„Meine Babys“, rief ich panisch und stürzte hoch.
„Kristen, langsam, den beiden geht es gut“, beruhigte mich Rob, doch ich ließ mich nicht beruhigen.
Ich wusste alles ganz genau: Ich war bei Rob gewesen, wollte mit ihm reden, mich für mein Verhalten der letzten Monate entschuldigen, ihm sagen, dass ich mich für die Babys entschieden hatte. Doch dann ging alles schief. Ich stolperte, strauchelte und fiel zu Boden. Mein Kopf schlug hart auf der Steinstufe auf und ich dachte nur noch an meine beiden Babys.
„Den Babys geht es gut, Liebes“, sagte Rob erneut und lächelte mich an. „Ich bin so stolz auf dich.“ Er gab mir einen zärtlichen Wangenkuss.
„Kristen“, hörte ich meine Mutter und drehte mich nach links.
„Mom.“ Jetzt nahm ich alles war. Meine Familie, Rob und Nikki saßen um mein Bett herum und strahlten mich an.
„Ich bin so froh, dass es dir gut geht“, sagte meine Mutter und drückte mich ganz sanft.
Meine Hand fuhr zu meinem Bauch. Er war flach, leer – meine Babys waren nicht mehr in mir.
„Wo sind sie?“, fragte ich.
„Sie sind im Babyzimmer. Ein Junge und ein Mädchen“, er lächelte mich an und in seinem Blick sah ich etwas, was ich nie zuvor gesehen hatte – ich konnte es nicht benennen. Es schien mehr als stolz zu sein.
„Noch haben sie keine Namen, wir konnten ja bisher nicht darüber sprechen –“
Ich unterbrach ihn, indem ich ihn zu mir zog und ihn küsste.
Er war immer für mich da gewesen, hatte mich immer unterstützt, mein Verhalten toleriert und mir Kraft gegeben. Doch bisher konnte ich es nicht so sehen, da ich nur an meine Verantwortungslosigkeit denken konnte. Meine Mutter hatte mich zu einer Gesprächstherapie geschickt und gemeinsam mit der Psychologin bekam ich meine Ängste endgültig in den Griff. Ich konnte mich auf mein Baby freuen, langsam identifizierte ich mich mit ihm. Ich baute endlich eine Bindung auf. Als der Arzt mir sagte, dass ich Zwillinge bekommen würde, war alles merkwürdigerweise noch greifbarer. Die doppelte Freude wollte ich sofort mit Rob teilen, aber bisher war ich nicht dazu gekommen. Jetzt hatte ich die Gelegenheit. Ich genoss seine Nähe, seine Lippen auf meinen mehr als je zuvor. Wir waren Eltern. Wir hatten zwei Kinder.
Die ich noch nie gesehen hatte....
„Rob?“
„Ja, Liebes?“ Er schaute mich zärtlich an.
„Ich möchte die Beiden sehen.“
Sein Blick wurde noch sanfter und er küsste mich erneut.
„Natürlich, ich hole sie.“

Es war ein merkwürdig vertrautes Gefühl diese kleinen Wesen im Arm halten zu können. Rob lächelte glücklich und ich schämte mich, dass ich immer dachte er würde es gar nicht wollen.
„Ich bin so froh, dass du dich dafür entschieden hast“, sprach er das Thema direkt an. „Auch wenn ich mich anfangs etwas schwer getan habe mir vorstellen zu müssen, Vater zu werden, so bin ich jetzt mehr als erleichtert und stolz.“ Sein Blick bohrte sich in meinen und er gab mir einen leidenschaftlichen Kuss. Ich wollte, dass dieser Moment niemals aufhörte, doch meine Tochter hatte was anderes im Sinn. Ihr kleines Händchen krallte sich in Robs Haare und sofort griff er danach und küsste ihre Handinnenflächen.
„Bella liebt deine Haare wohl genauso wie ich“, sagte ich.
Rob sah mich erstaunt an.
„Wie hast du sie genannt?“, fragte er neugierig.
„Bella“, sagte ich kleinlaut. „Ich dachte mit Bella und Edward fing unser Leben an und wenn du damit einverstanden bist, wird es auch bis an unser Lebensende damit weitergehen.“
Eine kleine Träne stahl sich in seine Augen und ich wischte sie weg.
„Kristen, ich liebe dich“ Wieder küsste er mich. „Und natürlich bin ich mit Bella und Edward einverstanden. Genau daran hatte ich auch gedacht.“
Er schaute auf unsere Kinder in meinem Arm und nun lief auch mir eine Träne die Wangen hinunter.

© 2009 by Blutmädchen

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